Streaming Detox – für mehr „echtes Leben“

Betrachtet man einmal unsere Wohnzimmer, wird man bei einem großen Teil der Bevölkerung feststellen, dass sich alle Möbel zum Fernseher ausrichten. Das Sofa ist groß und bequem, der Ohrensessel mit seinem bequemen Hocker lädt zum Verweilen ein und alles ist darauf ausgerichtet, dass man Stunden, ja manchmal Tage, vor dem Fernseher verbringen kann.

Manchmal stelle ich mir vor, wie Außerirdische unsere Wohnungen und Häuser betrachten würden. Sie würden wahrscheinlich vermuten, dass der Fernseher für uns eine Art Gott sein muss und wir ihn allabendlich anbeten.

Da kann ich mich leider keinesfalls ausnehmen. Ich liebe es Serien zu schauen, am besten mehrere Staffeln am Stück. Umso länger die Folgen sind, desto besser.

Und dann kam im September 2019 der Moment, an dem ich es nicht mehr aushalten konnte und ein Detox der modernen Art begann – mein Streaming Detox. Ein Jahr ohne Fernseher und Streaming-Abo – schaffe ich das?

Binge-Watching ist auch keine Lösung

Ich kann mit „Stolz“ behaupten, dass ich eine echte Binge-Watching-Queen war, keine Serie war vor mit sicher. Bis ich irgendwann das Gefühl bekam, dass ich mir so viele Dinge vornehme, sie aber doch nie mache, weil ich vor dem Fernseher versackt bin. Ist doch so viel gemütlicher… und bequemer… und weniger anstrengend. Doch als ich mein Netflix-Abo kündigte, bedeutete das auch einen neuen Lebensabschnitt, auch wenn das fast lächerlich klingen mag. Denn ich wusste, dass es meinen Alltag stark verändern würde.

Normalerweise bin ich von der Arbeit nach Hause gekommen und habe zuallererst den Fernseher eingeschaltet und eine Serie laufen lassen. Dabei war es egal, ob ich die Serie schon kannte. Zum 20. Mal die erste Staffel Gilmore Girls? Warum nicht! So musste ich mich nicht denken hören und war abgelenkt mit den Problemen und den Leben von Serienhelden. Vielleicht habe ich das auch für eine Weile gebraucht und musste die Stimmen in meinem Kopf betäuben. Aber irgendwann muss man sich der Welt stellen – und endlich machen, was man so oft aufgeschoben hat.

Fernseher raus – Leben rein

Damit ich gar nicht erst in Versuchung kommen konnte, habe ich den Fernseher direkt aus meinem Wohnzimmer in den Keller verbannt und meine Möbel umgestellt. Ein ganz neues Wohngefühl – auch wenn es erstmal sehr ungewohnt war.

Aber auf einmal hatte ich Zeit. Und zum ersten Mal seit Ewigkeiten kam so etwas wie Langeweile auf und ich regte endlich wieder meine Kreativität an, um mich sinnvoll zu beschäftigen. Wahrscheinlich wäre dieser Blog nicht entstanden, wenn ich einen großen Teil meiner Freizeit noch vor dem Fernseher verbringen würde.

Manchmal sehne ich mich danach wieder eine Folge meiner Lieblingsserie zu schauen, doch ansonsten muss ich sagen, dass ich mein Binge-Watching kaum vermisse. Acht Monate habe ich schon geschafft, vier noch vor mir. Ob ich den Fernseher danach wieder in die Wohnung hole? Eher nicht. Ich habe mir vorgenommen ihn zu verkaufen, falls ich es ein Jahr ohne aushalten sollte.

Tu endlich, was du tun willst!

Es gibt draußen eine echte Welt, es gibt echte Menschen und Dinge, die man vielleicht nur einmal im Leben tun kann. Auch wenn wir grade stark eingeschränkt sind und viele unserer Liebsten nicht sehen können, so können wir ihnen auch aus der Entfernung zeigen, dass wir da sind. Wir müssen unsere Gelegenheiten nutzen und unsere wertvolle Lebenszeit nicht vor einem Kasten vergeuden. Natürlich spricht nichts dagegen sich bei einem Film oder einer Serie mal zu entspannen – aber vergiss nicht das Leben zu erleben, trotz (oder vielleicht sogar gerade wegen) der jetzigen Situation.

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